Archive for the 'Technik' Category

SuMa-eV Kongress 2009 – Ergänzung

Nachdem ich mich ja erst um die eher gesellschaftsbezogenen Internetthemen der gestrigen Tagung gekümmert hatte, hier noch ein Beitrag zum eigentlich zentralen Thema Suchmaschinentechnologie.

SuMa-eV Kongress 2009 am 10.09.09

Durch großzügige Einladung durch den Veranstalter und einen freundlichen Tweet-Hinweis von Jin Tan konnte ich spontan beim diesjährigen SuMa-eV Kongress “Für Pluralismus im Internet!” teilnehmen. Meine Berichterstattung ist hierund hier zu finden.

Die Library of Congress, jetzt auch bei Facebook

Another Book Is Added to Our Collections: Facebook,

meldete der Blog der Library of Congress letzte Woche und seitdem hat die Bibliothek auf ihrer Facebook-Präsenz schon 1500 Anhänger zusammengesammelt und damit nennenswert mehr Fans als LIBREAS Facebook-Freunde.

Bing ist besser als sein Vorbild, meint die New York Times

People won’t start dumping Google en masse; Google is a habit.

Die New York Times betrachtet Bing und Google im Vergleich und kommt zu dem Ergebnis: ” if you value your time, you should give Bing a fling.”: Bing, the Imitator, Often Goes Google One Better

Eine Online Community für Studierende und Dozenten der Informationswissenschaft

Liebe Studierende der Informationswissenschaft in Berlin,

im Rahmen meiner Magisterarbeit mit dem Titel “Wissenschaftsbezogene Online Communities: Analyse, Konzeption und Realisierungsperspektiven einer Online Community für den Hochschulverband Informationswissenschaft” führe ich eine (anonym gehaltene) Befragung zur Identifikation der Bedürfnisse potentieller Community-Mitglieder durch.

Mit eurer Teilnahme könnt ihr nicht nur zum Gelingen meiner Arbeit beitragen, sondern durch eure Meinungen und Anregungen die Gestaltung der Community mit beeinflussen.

Die Befragung findet ihr unter:

http://www.smartens.eu/limesurvey/index.php?sid=14417&lang=de-informal

Sie sollte nicht mehr als 5 Minuten euer Zeit in Anspruch nehmen, ist also wirklich kurz gehalten!

Bei Rückfragen schreibt mir gerne eine Nachricht oder hinterlasst Kommentare zu diesem Blogpost.

Viele Grüße aus Hildesheim,
Stefan

Wenn alte Zitate aktuell sind

Bei meiner Forschung bin ich gerade auf dieses nette Zitat von 1985 (!) gestoßen. Da wir inzwischen Online-Datenbanken haben, kann das nur Mut machen.

“… wenn es aber darum geht, endlich selber aktiv zu werden, liefern die schlechte Haushaltslage, fehlendes Fachpersonal und anderes bequeme Gründe, in der alten Lethargie zu verharren.”

Renate Mackay: Einsatzmöglichkeiten von Online-Datenbanken in Öffentlichen Bibliotheken. In: BuB 37 (1985)1, S. 31-35

Der Traum im leeren Wald: Das Ende des Bloggens und die Furcht vor dem Internet in der ZEIT

Auch manche Bibliotheken, die es mal mit einem Blog versucht haben wissen, dass es beim Bloggen zwar “easy come” heißt, aber nicht “easy go”. Die New York Times bestätigt heute in einem Artikel (Blogs Falling in an Empty Forest) noch einmal das simple Phänomen, dass es zwar eine nahezu unüberschaubare Anzahl an Weblogs gibt, aber nur ein Bruchteil wirklich regelmäßige Inhalte liefert. Zum Glück, möchte man meinen, denn die Feeds liefern auch schon auf diesem niedrigen Aktualisierungsniveau ausreichend Inhalte, die zwar selten brennend relevant sind, aber oft eben doch potentiell interessant klingen und daher gesichtet werden wollen:

According to a 2008 survey by Technorati, which runs a search engine for blogs, only 7.4 million out of the 133 million blogs the company tracks had been updated in the past 120 days. That translates to 95 percent of blogs being essentially abandoned, left to lie fallow on the Web, where they become public remnants of a dream — or at least an ambition — unfulfilled. Continue reading ‘Der Traum im leeren Wald: Das Ende des Bloggens und die Furcht vor dem Internet in der ZEIT’

Aktuell: Facebook als phishermens friend

Aus aktuellem Anlass (zwei solche Nachrichten sind bei mir bereits eingegangen) sei für die Facebook-affinen unter uns darauf hingewiesen, dass sich die beliebte Sozialplattform momentan akut mit Spam- bzw. Phishing-Attacken herumplagen muss und entsprechend Vorsicht geboten ist, wenn einem ein guter Freund “Check this out” o.ä. mit einer Art URL schickt.
Was tatsächlich geschieht, wenn man der Adresse nachgeht, habe ich nicht ausprobiert. Wohl aber weiß ich, dass diese Meldung nicht zu dem gehört, was mir aus meinem Facebook-Bekanntkreis normalerweise zugesandt wird und ignoriere sie daher. Mehr zum Thema z.B. bei USA Today: Phishing attack spreads through Facebook

Der Tod und das Medium: Walt Crawford über Blogs als Zeitschriften

There’s also a semantic issue. Could you publish a solid journal using WordPress with a few extensions? Almost certainly. Would the result be a blog? Well, it would use blogging software…

Walt Crawford überlegt in der April-Ausgabe seiner Gedankensammlung Cites&Insights (Ausgabe 9:5, PDF), ob die Zukunft der wissenschaftlichen Zeitschrift womöglich in der Medienform des Weblogs zu suchen sei. Continue reading ‘Der Tod und das Medium: Walt Crawford über Blogs als Zeitschriften’

Will it kill Google? No. Erste Eindrücke zu Wolfram|Alpha im ReadWriteWeb

Alpha, however, will probably be a worthy challenger for Wikipedia and many textbooks and reference works. Instead of looking up basic encyclopedic information there, users can just go to Alpha instead, where they will get a direct answer to their question, as well as a nicely presented set of graphs and other info.

Schon endlos lange vier Tage ist das Posting online. Da die Spannung jedoch hinsichtlich der ins Haus stehenden neuen Suchmaschine Wolfram|Alpha (wenn es denn eine ist) sehr hoch ist und Eindrücke sehr selten, scheint ein Hinweis auf den Bericht zu einer Web-Demo-Veranstaltung mit Stephen Wolfram ganz sinnvoll. Hier die Zusammenfassung auf ReadWriteWeb: Wolfram|Alpha: Our First Impressions

Die Angst vor dem Blitzschlag: Umberto Ecos kleine Speichermedientypologie in der Frankfurter Rundschau

Ein weiteres Manko ist, dass nahezu alle elektronischen Datenträger durch einen Stromstoß, Blitzschlag oder sogar noch banalere Ereignisse entmagnetisiert und gelöscht werden können. Wenn ein Stromausfall lange genug andauert, komme ich nicht mehr an meine Daten heran. Wenn mein Computer im fünften Stock aus dem Fenster fällt, kann ich mich darauf verlassen, alle Daten zu verlieren. Fällt aber ein Buch aus dieser Höhe, wird schlimmstenfalls die Bindung brechen.

In der heutigen Ausgabe der Frankfurter Rundschau betrachtet Umberto Eco ganz anschaulich und lebensnah verschiedene Speichermedien und deren Grenzen, die dann auch immer die der auf ihnen abgelegten Daten sind. Das Speichermedium Buch punktet dabei aufgrund seiner Robustheit, die der Mikroelektronik doch relativ überlegen scheint. Und er zieht eine elementare Unterscheidung zwischen Buch und elektronischen Medien:

Es scheint, dass die modernen Speichermedien mehr zur Verbreitung von Informationen taugen als zu deren Erhaltung. Bücher dienen seit langer Zeit sowohl der Verbreitung [...] als auch der Erhaltung unseres Wissens.

Dass ein Mikrofilm allerdings, wie Eco schreibt, anfälliger für Beschädigungen sein soll, als ein Buch, entspricht nicht dem, was ich gelernt und erfahren habe. Und zählen der Mikrofilm und die Fotos im Allgemeinen tatsächlich zu dem, was man mit elektronischen Speichermedien bezeichnet? Medienhistorisch meine ich hier eine unerwartete Unschärfe zu entdecken. Beschränkt man sich aber auf Digitalmedien, so stimmt es sicher, dass die Datenhaltung in diesen gemeinhin aufwendiger ist, da man seine Daten regelmäßig umkopieren muss. Und rein ästhetisch beurteilt sind die Plastikmedien (CDs etc.) zweifellos die weniger hübschen Schwestern des Papiers.  Ein CD-Rom-Regal im Wohnzimmer imponiert bestenfalls durch Konsequenz, eine in Schweinsleder gebundene Lexikonreihung ist schon an sich ein eindrucksvolles Objekt, besonders natürlich, wenn sie kaum Gebrauchsspuren aufweist.

Was die Daten(er)haltung angeht, stellt die so genannte Cloud mit ihren für den Nutzer virtuellen Speichern, eine Möglichkeit dar, dass man sich zukünftig solch Mühsal spart. Eine sichere und jederzeit verfügbare virtuelle Festplatte anzubieten ist vermutlich ein Geschäftsmodell im Web, das neben der Werbung funktionieren kann.  Wenn dann der Rechner aus dem Fenster fällt ist nur das prinzipiell ersetzbare Zugangsgerät verloren.  Man hörte übrigens schon von Datenrettungsspezialisten, die einer Festplatte selbst nach Stürzen aus höherer Höhe noch so manches entlocken konnten. Vielleicht ist der fünfte Stock dafür dann aber doch zu hoch… Eco setzt übrigens, wie er schreibt, auf doppelte Datenhaltung und besitzt die Weltliteratur sowohl auf Festplatte wie in Papier.

Den Artikel gibt es hier: Wenn der PC aus dem 5. Stock fällt

Wellenbrecher Bibliothek: Der “Wissenstsunami” fegte gestern durch die ZLB

Gestern abend gab es im Ribbeck-Haus der Berliner Stadtbibliothek im Rahmen der Berliner Wirtschaftsgespräche eine Podiumsdiskussion, die wohl ein paar Bojen auslegen sollte, um vor dem “Wissenstsunami” früh zu warnen. Oder besser noch Wellenbrecher aufzubetonieren, denn der Tsunami ist längst erkannt und und den Bibliotheken, geht es anscheinend um Bewältigung, wobei aus dem Titel nicht ganz klar wird, ob sie die Kanalisierung versuchen oder einfach den Wassereinbruch verhindern wollen.
“Es ändert sich schon seit geraumer Zeit einiges”, liest man mäßig erstaunt in der Ankündigung, die identisch auch schon vor zehn Jahren ihr Publikum gezogen hätte. Allerdings hätte es im letzten Jahrtausend keine Twitternachrichten aus dem Vortragsraum gegeben. So aber kann man also, selbst wenn man nicht dabei war, ziemlich gut im Twitter-Archiv von Professor Hobohm den Verlauf der Diskussion nachvollziehen. Tatsächlich scheint Microblogging für solche Veranstaltungen eine exzellente Lösung zu sein. Man liest und ist nicht so unglücklich, die Zeit an einem anderen Ort verbracht zu haben, denn:

Kritik aus dem Publikum: Thema der Veranstaltung (Wissenstsunami) verfehlt!” (link)

Noch lieber läse man von Diskussionen, bei denen man sich grämt ob des verpassten Besuches..

Nimmt man übrigens die Metapher des Wellenbrechers ein wenig ernster, indem man Welle als “Trend” oder “Hype” liest, dann entdeckt man durchaus etwas, das den Reflektionsraum Bibliothek auszeichnet: Man kann in ihm ein paar Stunden aus dem minutenaktuellen Nachrichtenstrom aussteigen, die Kurzzeitwahrnehmung abtrocknen und z.B. anhand alter Zeitschriftenbestände feststellen, dass die geraume Zeit, in der sich einiges ändert, im allgemeinen Maßstab Erdgeschichte heißt und im konkreten Datenbeben vielleicht die Zeit seit der Industrialisierung umfasst, führte doch letzteres zu der Omnipräsenz von spezifischen Verwaltungs-, Dokumentations- und Überwachungsdaten, die uns seit vielleicht zwei Jahrhunderten die Tage füllt.

Das wäre eine schöne Aufgabe von Bibliotheken: beim Verstehen der Themen, die durch die Massen- und Communitymedien die Agenda füllen, zu helfen. Dieser Erklärungsaufgabe haben sich bislang allerdings vorwiegend die so genannten “Qualitätszeitungen” angenommen, die diese Woche vor allem ihre schon damals hilflosen Deutungstexte aus dem Frühjahr 2002 wieder ins Blatt nehmen können. Soviel Neues gibt es auch im Gräßlichen nicht unter der Sonne, als dass man alle Feeds dieser Welt rund um die Uhr originell und aufmerksamkeitsspannend füllen kann. Leider scheint man überall das Gefühl zu haben, dies tun zu müssen.

Neologismus aktuell. Heute: Twitterversum.

Das aktuelle Neuwort lautet: Twitterverse (deutsch: Twitterversum) – und der Presse bringt es zugleich Werkzeug und Themen, wo man vielleicht erstmal besser nicht auf Teufel komm raus kommentieren sollte: Das erste Twitter-Ereignis in Deutschland.

Praktika in NYPL und LoC, mit Blog begleitet

Mittlerweile stecke ich mitten in der zweiten von sechs Praktikumswochen in der Music Division der New York Public Library for the Performing Arts (danach geht es noch fuer zwei Wochen in die Musikabteilung der Library of Congress). Obwohl Internetzugang in meiner Unterkunft so eine Sache ist, versuche ich regelmaessig ueber das Praktikum und meine sonstigen Erfahrungen zu bloggen.

Central Park

Central Park

Nature on scientific blogging

Editorial vom 25. Februar. It’s good to blog.

Indeed, researchers would do well to blog more than they do. The experience of journals such as Cell and PLoS ONE, which allow people to comment on papers online, suggests that researchers are very reluctant to engage in such forums. But the blogosphere tends to be less inhibited, and technical discussions there seem likely to increase.

“It’s all too modern for me” – Erfahrungen mit Kindle 1 und 2 geschildert in der New York Times

As soon as my Kindle 2 arrives I’m going to start using the dusty books in my attic as Kindling.

An dieses unsinnige Wortspiel wird sich nicht nur die IBI-Mitarbeiterin Maxi gewöhnen müssen, denn mit dem Kindle 2 rumpelt die Diskussion über für und wider solcher Geräte in die Fach- und Tagespresse. Die New York Times, aus der das obige Zitat stammt, sammelt Eindrücke, Erfahrungen und sonstige Äußerungen zum Gerät auf dieser Seite.
Am Rande interessant ist dabei, dass über eine “Editor’s Selection” inhaltlich besonders (oder manchmal überhaupt) substantielle Kommentare herausgefiltert werden. Das wäre auch mal etwas für den Tagesspiegel, bei dem man sich in der Regel wünscht, er hätte die Kommentarfunktion nie freigeschaltet.
Solche Filter erweisen sich in der Tat als äußerst hilfreich, wenn man weder Zeit noch Lust hat, sich Leserkommentare im Dutzend gestaffelt zuzuführen und führt zusammen mit der Vergabe von Recommendations durch die – na ja – Peers (also anderen Lesern) zu einer Art Qualitätsprüfung dieser lesergenerierten Inhalte. So findet man beim Casus Kindle schnell zu einem nicht von der Hand zu weisenden Pro-Argument für die Lesegeräte:

I can adjust the size of the print.

Fünf Leser fanden dies bemerkenswert und ich hab gleich mal das sechste Häkchen gesetzt.

“Na ja gut, es gibt das Internet”, 50 Zitate zu einem Kommunikationsmedium

«Printprodukte haben unersetzbare Materialqualitäten, die man optimieren kann: bequem zu handhaben, gut zu lesen, rascher Überblick, Tastbarkeit – und nicht zu vergessen: Man kann sie wegwerfen. Das werden die Zeitung und Zeitschrift der Online-Welt immer voraushaben – und das lässt sie überleben.»
Norbert Bolz, Medienwissenschaftler und Zukunftsforscher, im Tages-Anzeiger vom 19.03.2007

Als Mittagspausenunterhaltung empfiehlt sich ein Ausflug zur medienlese, die in 50 Zitaten zu Internet und Web 2.0-Kommunikation dokumentiert, wie unbedarft bestimmte Vertreter der Medieneliten diesen Technologien und Praxen entgegen blickten. Kommentieren muss man da wenig. Groß bleibt aber das Erstaunen, wenn derart sichtbar wird, wie solide Medienprofis noch vor zwei Jahren mit unerklärlichem Furor in aller Öffentlichkeit Windmühlen attackierten. Heute ist sicher alles anders und auch ausgewählte Vertreter des Qualitätsjournalismus und der Kommunikationswissenschaft dürften z.B.  nach diesem bitteren Scheitern mit den medienprofessionellen Grundtechniken “Statistik lesen” und “Quellen prüfen”, einiges dazu gelernt haben.

Norbert Bolz bietet in der Reihe eins der wenigen sinnvollen Zitate, welches hierin seine Parallele findet.

16 shades of gray: Der Kindle 2.0 ist ab heute auf dem Markt

Wer in den USA wohnt, kann ab heute seinen Kindle 2 vorbestellen. Auslieferung erfolgt ab 24. Februar. Der alte darf dann ins Regal, versteht sich aber dank “Whispersync” gut mit dem neuen:

Amazon’s new “Whispersync” technology automatically syncs Kindle 2 and the original Kindle, which makes transitioning to the new Kindle 2 or using both devices easy for customers. Kindle 2 will also sync with a range of mobile devices in the future.

Es sieht ein bisschen so aus, als würde die erhoffte Einsparung von Komplexität (tausende Bücher unübersichtlich in den Regalen) ohne größere Umschweife in eine neue (mehrere Kindle verschiedener Generationen und ihre Peer Tools mit jeweils tausenden elektronischen Büchern im Speicher, die sich untereinander synchronisieren ) führen…

P.S. Und ja – man kann ihn laut Werbefilm problemlos am Strand lesen.

Wikipedia.org, flagged (sofern sich etwas ändert)

Weil es gestern im BBK zur Wikipedia die Rückfrage zu dem neuen auf Qualitätssicherung ausgerichteten Sichtungsmodus in der englischsprachigen Version gab, hier noch als Ergänzung den Artikel der New York Times zu den Flagged Revisions: Wikipedia May Restrict Public’s Ability to Change Entries

Wie “Vatikan und Sex”: Das Radiofeuilleton über Europeana

Kultur ist nun einmal der prinzipiell nicht verwaltbare geistige Überschuss der Völker und dementsprechend grimmig sieht das Gesicht der Brüsseler EU-Verwaltung beim Thema Kultur aus.

Archivalia nennt den Radiobeitrag Burkhard Müller-Ulrichs, den der Deutschlandfunk am vergangenen Freitag in seiner Sendung “Kultur heute” ausstrahlte, fast untertreibend “süffisant und durchaus kritisch“, denn die Breitseite, die dort gegen die europäische Kulturpolitik im Allgemeinen und gegen Europeana im Besonderen gefeuert wird, erweist sich als denkbar drastische Polemik.

In der Tat kann man sich fragen, wie sinnvoll es ist, dass eine mit derart begrenzten Möglichkeiten – Müller-Ulrich nennt die Zahl von “lachhaften” 57 Millionen Euro als Kulturbudget der Europäischen Union – ausgestattete Institution ein derart ambitioniertes Unterfangen, wie es die proklamierte Idee von Europeana (“think culture”) darstellt, anzugehen.

Öffentliche Aufmerksamkeit mit möglichst geringem Aufwand, so der Beitrag, sei der zentrale Punkt des Projektes und das Internet allgemein eine billige Möglichkeit, dahingehend loszuhebeln, in dem man das, was es bereits gibt, in neuer Form anbietet. Die Webskepsis des Autors ist unübersehbar und entspricht einer negativen Lesart der oft rein affirmativ von der “Laptop-Bohème” bejubelten Remix-Kultur. Europeana erscheint ihm daher als ein ziemlich überflüssiges Zeitgeist-Projekt, dessen einzige Funktion es ist, die Fahne des Aktionismus gut sichtbar aufzuziehen:

“Europeana bietet nichts, was nicht schon anderswo im Netz vorhanden wäre. Es ist bloß eine Suchmaschine, eine Maske auf der Europäische Union draufsteht, damit man glaubt, die tun was.”

Wer den Pressemeldungsrummel darum herum zum Maßstab nimmt, kann tatsächlich zu dieser Einsicht gelangen. Dies liegt womöglich auch am Feuilleton selbst, das gern die Erwartungen unverhältnismäßig hoch setzt und alles, was die Ghostwriter von Manuel Barroso auf Wirksamkeit zuspitzen, noch einen Tick weiterdrehen. Das rhetorische Eigentor, das Denken und Kultur dort verspricht, wo sich Metadaten und weiterführende Links in BETA-Verknüpfung treffen, liegt aber weniger im Projekt, als darin, wie man es nach Außen aufplustert. Tragischerweise ist dieses Aufplustern hinsichtlich der Blase der Aufmerksamkeitsökonomie anscheinend notwendig, um überhaupt irgendwelche Mittel zu bekommen.

Auf der inhaltlichen Ebene bietet Europeana sicher wenig und schon gar nichts Neues, was die Welt umkrempeln kann. Eigentlich ist der vermutete Kulturgenuss und Gedankenaustausch kein solcher und auch nicht möglich, handelt es sich doch vorrangig um eine Datenbank. Ein kulturelles Erlebnis und Sinn konstruierend zu sein ist eben selten ein Charakteristikum derartiger Systeme. Wer so etwas sucht, sollte lieber Lettre abonnieren.

Europeana ist aber eigentlich – und darauf reduziert sollte man es vielleicht lesen und kommunizieren – ein technisches Projekt und kein kulturelles – welches diverse Objektrepräsentationen an einer Stelle zur Recherche zusammenführt. Es verwaltet und verknüpft Metadaten und welche Objekte am Ende dahinter stehen – ob Briefe Henry Millers oder Versicherungsdaten oder Sportresultate – ist in gewisser Weise austauschbar. Nur wäre eine Plattform zur Verwaltung von Dokumenten der Europäischen Fußballgeschichte inklusive Wettstatistiken womöglich nicht derart als förderungswürdig betracht worden, wie ein “Kultur. Denken.” Da liegen die ideellen Beurteilungskriterien nach dem Schock Google-Book-Schock – dem europäischen Sputnik-Schock der Nuller-Jahre dieses Jahrhunderts – durchaus im edlen Bereich, der Abgrenzen (nach Amerika) und Zusammenführen (in Europa) in Einem realisieren soll. Vermutlich aber – da ist die Skepsis Müller-Ulrichs sicher berechtigt – muss er in diesem Punkt schlicht scheitern. Zu mannigfaltig ist die Kultur der Mitgliedsländer, zugleich zu verwoben mit der globalen Populärkultur und zu abhängig von amerikanischen Werkzeugen und technischen Akteuren.

Würde man Europeana als Projekt zur Technologie-Entwicklung betrachten, die als Gegenstand einen Verbundkatalog von Digitalisaten kultureller Artefakte nimmt, damit sie einen konkreten Bezugspunkt hat, dann wäre es sicher noch immer recht unterfinanziert, aber in Bezug auf die Wirkungsmöglichkeiten realistisch eingegrenzt. Posaunt man aber den großen Weg zur europäischen Einheitskultur als Motiv in die Tagespresse ohne wenigstens die technische Stabilität hinsichtlich der erwarteten Zugriffe aus Neugier abzusichern, dann ist Eigentor eigentlich noch eine milde Umschreibung und PR-Desaster die treffende. Das (Radio)Feuilleton darf dann am Thema vorbei poltern und sagen, man hat es schon immer gewusst und es wird sowieso nichts, denn die Briten bringen ihren Harold Pinter nicht mit ein, die Franzosen aber ihren Claude Simon mit “allem was das Herz begehrt” und Kultur ist immer uneins, bei der Zeustochter mit der weiten Sicht.

> zur mp3-Datei des Beitrags beim Deutschlandfunk

Twittering Books, das Börsenblatt berichtet.

So schönes Laufwetter und ich muss Bücher bewegen”

Twitter boomt derart mächtig, dass das Börsenblatt des deutschen Buchhandels, nachdem es jüngst einen Erfahrungsbericht im Programm hatte, heute über einen Münsteraner Antiquar berichtet, der als einer der ersten seiner Art hierzulande entsprechende Kurznachrichten in die Welt schickt: http://twitter.com/wilsberg.

Gibt es eigentlich auch derartige Berichterstatter aus dem Bibliotheksalltag? Falls jemandem solche bekannt sind, darf man hier gern entsprechende Links als Kommentar zusammentragen.

Tweets in the Cloud: Die heutigen beiden Artikel in der FAZ-Netzwirtschaft

In den kommenden fünf Jahren wird die große Masse des Computings den Wandel vom Desktop- oder Client-Server-Computing zum Cloud Computing vollziehen. Da Google quasi seine Wurzeln im Cloud Computing hat, besitzen wir einen Vorteil vor den meisten anderen Anbietern in diesem Geschäftszweig.

Auf der Netzwirtschaftsseite der heutigen Ausgabe der FAZ und parallel im Netzökonom-Weblog des Blattes findet der Leser ein Interview mit Matt Glotzbach von der Google-Enterprise, in dem dieser ein wenig Auskunft über die Aktivitäten des Unternehmens und seiner Mittwettbewerber im Bereich Cloud Computing gibt. Die Überschrift signalisiert den Lesern aus dem KMU-Bereich jedenfalls, dass hier der Zug in Fahrt kommt: “Jeden Tag registrieren sich 2000 Unternehmen bei Google”. Wir Bibliotheken warten selbstverständlich auf entsprechende Cloud Lösungen für unsere Ansprüche. Googles Librarian Central befindet sich allerdings nach wie vor im festen Winterschlaf, der womöglich langsam in eine Totenstarre überzugehen scheint.

Nur in der Papier- bzw. e-paper-Ausgabe (S.15) entdeckt man dagegen, wie die FAZ twitter – offensichtlich gleichzeitig mit Torsten Schäfer-Gümbel – entdeckt:

Die Online-Gemeinde hat einen neuen Megatrend: Der heißt Twitter und besteht aus 140 Zeichen langen Kurzmitteilungen. Schreiben kann jeder; empfangen werden diese Mitteilungen, kurz „Tweets“ genannt, von den Menschen, die sie als sogenannte Follower zuvor abonniert haben.”

und stellt fest: “Das größte Problem ist aber das Fehlen eines Geschäftsmodells.”

Viel mehr als das und wie das kleine Webwerkzeug so funktioniert leider nicht.

Der Text verrät den Standort: Eine Studie zur toponymischen Analyse von Bloginhalten

A correct result was defined as being when the extracted geographic focus subsumed the blog’s true location, or was within 100 miles of it. We had 295 matches out of 481 usable results for 61% accuracy. For the 295 matches, the average distance from the extracted location to the known location was 50.8 miles.

Das ResourceShelf verweist auf eine ziemlich interessante Untersuchung, in der das Web2.0 mit Web3.0-Technologie angegangen wird (Es funktioniert sicher auch Web1.0-Inhalten). Als Ausgangspunkt steht der etwas eigenwillige Wunsch, zu erfahren, wo sich ein Blog geografisch verorten lässt. Nicht jeder Blogger nutzt Geotagging und insofern liegt als Lösung nah, eine toponymische Analyse der Blogtexte und deren Abgleich mit einer Datenbank in Rückgriff auf eine OWL-Ontologie auszuprobieren. Die extrahierten Daten wurden entsprechend gefiltert und mit algorithmisch verarbeitet, mit der Realität verglichen und am Ende stand das zitierte Ergebnis. Den “Standort” eines Weblogs zu ermitteln gelingt allerdings nur, wenn der Blogger auch über seinen Standort schreibt. Sinnvoller scheint solch ein Ansatz, wenn man ermitteln möchte, welche Regionen besonders intensiv in Bloginhalten vorkommen, um daraus ein Trendbarometer zu entwickeln. Das wäre doch mal eine Idee für ein Start-Up-Unternehmen. Die reine Standortfrage unterläuft nämlich den Zeitgeist der kaum gebremsten Mobilität, die dazu führt, dass wir von allen möglichen Orten immer in denselben Blog schreiben können, der womöglich auf den Niederländischen Antillen gehostet wird. Und für die explizit ortsbezogenen Placeblogs ist in der Regel eine toponymische Auswertung des Blogtitels zureichend. Für Blogger, die nicht entsprechend analysierbar sein wollen heißt es ab jetzt, besser nur unscharfe Ortsbezeichnungen zu verwenden oder solche einzubauen, die mit dem Inhalt das Postings nichts zu tun haben. Marfa, Texas

Den Aufsatz zur Studie gibt es hier als PDF: Fink, Clay; Piatko, Christine, et al. (2008) Geolocating Blogs From Their Textual Content.

Das Ende des Datenträgers: Nach Blu-ray kommt nur das Netz.

Integrating the Internet may be a matter of survival for Blu-ray, because the Internet is shaping up to be its biggest rival. More services are popping up that let people download high-definition movies and shows directly to their televisions and home computers.

Bei der diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas schwingt anscheinend zwischen den Messeständen verstärkt die Frage durch den Raum, inwieweit physische Datenträger (und auch Speichermedien) gleich welcher Art überhaupt zukünftig noch eine Rolle spielen. (vgl. New York Times)
Continue reading ‘Das Ende des Datenträgers: Nach Blu-ray kommt nur das Netz.’

Großdruck für den Bildschirm: Die Informationsarchitektur überdenkt ihre Größenvorstellungen

Wenn man dem nach wie vor häufig ins Spiel gebrachten Argument “Niemand liest längere Texte am Bildschirm” auf den Grund gehen möchte, dann könnte man u.a. in Rückgriff auf Überlegungen aus dem Bereich der “Information Architecture” zu dem Schluss kommen, dass – da die Bildschirme kaum mehr flimmern – vorrangig schlicht “size matters”.

Physically 16pt is as big as 11pt in print.

Dies liest man – in angepasster Schriftgröße – hier: Relative readability. Dort wird obendrein auf den 100% Easy-2-Read Standard hingewiesen, den man immerhin dann, wenn man in der Gestaltung von Webangeboten aktiv ist, kurz mal überfliegen sollte. Die Web-Welt kippt deswegen sicher nicht aus den Fugen und man muss vielleicht auch nicht bei jedem Einzelpunkt begeistert seufzen, als ob man es nicht schon vorher wusste, aber Aspekte wie Textgröße und Whitespace scheinen mir gerade für die Aufbereitung von elektronischen Texten in HTML für die Darstellung im Browser nicht irrelevant. Und dass eine durchdachte Informationsaufbereitung für die Bildschirmdarstellung bislang nicht bei jeder fachrelevanten Webseite  neben der inhaltlichen Güte ein Leitkriterium darstellt, kann man mit erschreckend wenig Suchaufwand herausfinden.