Kleine Rechner für alle und der Carbon Footprint der Computerisierung
Wichtig erscheint mir aber erstmal festzuhalten, dass in den letzten Monaten [nicht Jahren, sondern Monaten] relevante Trends im Bereich der Hard- und Softwareentwicklung festzustellen sind, die garantiert auf die Nutzung elektronischer Medien einen Einfluss haben werden. Und jede veränderte Mediennutzung wird über kurz oder lang eine Einfluss auf Bibliotheken haben
Karsten Schuldt betrachtet heute in seinem sehr lesenswerten Weblog Bibliotheken als Bildungseinrichtungen in gewohnter Tiefe die Frage:
Welche Auswirkung wird der Trend zu kleinen, billigen Laptops mit Internetfixierung für die Informationsnutzung von (potentiellen) Nutzerinnen und Nutzern Öffentlicher Bibliotheken haben?
und verbindet das Ganze mit einer Art Technikfolgenabschätzung für die Öffentlichen Bibliotheken: Ein Trend der letzten Monaten: Netbooks
Wenn man an dieser Stelle weiter denken möchte, dann kann man z.B. den Bogen zum Cloud Computing schlagen und, was von der Frage nach der Kulturtechnik zu der nach den Rahmenbedingungen weiterleitet, nach dem, was das Rad am Drehen hält. In der letztwöchigen Ausgabe des Economist kann man dazu lesen:
Data centres consumed 0.6% of the world’s electricity in 2000, and 1% in 2005. Globally, they are already responsible for more carbon-dioxide emissions per year than Argentina or the Netherlands, according to a recent study by McKinsey, a consultancy, and the Uptime Institute, athink-tank. If today’s trends hold, these emissions will have grown four-fold by 2020, reaching 670m tonnes. By some estimates, the carbon footprint of cloud computing will then be larger than that of aviation.
Es wäre nur zeitgemäß, wenn man versuchte, Innovationen im Bereich des ubiquitären computing und green computing im Gleichschritt zu entwickeln…
Also ich würde mir mehr Gedanken um den “heavy metal footprint” machen als um den Kohlendioxidausstoß, der ist ja immerhin Pflanzennahrung. Denn wenn ich den Herrn Prof. Oliver Günther, Ph.D.(Institut für Wirtschaftsinformatik, HU Berlin)aus dem BBK zitieren darf, verwandelt das heißersehnte “ubiquitous computing” sämtliche Produkte in Sondermüll – ja auch den gemeinen Joghurtbecher, wenn es nach den Verfechtern des Electronic Product Codes geht.
P.S. hier ist ja anscheinend english speaking community: auch mal ein potentieller “plot” zum “digital divide”: Ausschluss, wenn nicht gar Distinktion durch Sprache…
Qui, qui – nous parlons exclusivement en anglais… Unglücklicherweise gibt es für manche Erscheinungen keine wohlklingenden und sprachrichtigen deutschen Ausdrucksformen. Wenn man von “Rechnen in den Wolken” spricht, dann verstehen sehr viele Menschen den Zusammenhang nicht korrekt. Ansonsten sind wir aber aus voller Seele Anhänger sprachlicher Reinheit, soweit dies den einen Sinn hat (und nicht etwa macht).
Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass wir Treibhausgase und Schwermetalle gebündelt hinauspusten. Das ist aber nicht wirklich schlimm, denn wie ein Kommentar des Artikels im Economist schreibt:
Soviel zu den Technik-Mythen des frühen 21. Jahrhunderts.
Vielleicht dazu ein Hinweis auf die April-Ausgabe der De:Bug, die sich in ihrem Schwerpunkt mit dem Paradox “Grüne Technik” auseinandersetzte: Texte hier.
Ich zititere mal aus “Deus Ex Machina: Technikgläubigkeit und Gewissenskultur” von Ji-Hun Kim:
@Ben
Also ich glaube, durch den Ersatz Französisch wird’s auch nicht besser (eher noch abgehobener). Und für wen sprichst du als “WIR”??? Oder ist das der pluralis maiestatis – wenn ich denn auch mal meinen Fremdwortschatz benutzen darf? Aber zum Thema: “Computers help save on paper…” – na das nenn’ ich doch mal Technikmythos des 21. Jh.! Das papierlose Büro lässt grüßen, haha…das ist ja nun eindeutig in der Praxis widerlegt .
Soviel stimmt allerdings: “Das ist aber wirklich nicht schlimm” – solange wir ja die Dritte Welt haben, in der wir den Giftmüll abladen können. Hauptsache wir haben “intelligente Joghurtbecher”.
@Kathi:
Hinter dem “Wir” steckt natürlich der Bezug zu der von Dir wahrgenommenen english speaking community, die ich als Einzelperson ja schlecht repräsentieren kann. Der Plural bezieht sich demnach auf die eingebildete (man beachte die Zweideutigkeit des deutschen Ausdrucks) Gemeinschaft der ib.weblogger.