Archive for the 'Presse' Category

Google has a single towering obsession: It wants to build the Star Trek computer

What does it mean that Google really is trying to build the Star Trek computer? I take it as a cue to stop thinking about Google as a “search engine.” That term conjures a staid image: a small box on a page in which you type keywords. A search engine has several key problems. First, most of the time it doesn’t give you an answer—it gives you links to an answer. Second, it doesn’t understand natural language; when you search, you’ve got to adopt the search engine’s curious, keyword-laden patois. Third, and perhaps most importantly, a search engine needs for you to ask it questions—it doesn’t pipe in with information when you need it, without your having to ask.

The Star Trek computer worked completely differently. It understood language and was conversational, it gave you answers instead of references to answers, and it anticipated your needs. “It was the perfect search engine,” Singhal said. “You could ask it a question and it would tell you exactly the right answer, one right answer—and sometimes it would tell you things you needed to know in advance, before you could ask it.”

via Slate

Iowa City Library Launches Local Music Project

from lj.libraryjournal.com:

“When the Iowa City Public Library (ICPL) launched its Local Music Project at music.icpl.org, an effort that makes the music of local musicians freely available to Iowa City library cardholders, it may not have expected the nationwide interest it received. The Project made waves around the country, getting the attention of librarian.net and other venues, despite being only a few weeks old. So far, there are 49 albums available, and the list is growing.

One of the aspects of the project is that the music is freely available to the Iowa City cardholder to keep forever. Senior Librarian John Hiett said of the payment model, “Typically we pay $100 per record, with a few exceptions. This leases us the right to offer cardholders the right to download and keep the music. The lease runs two years, but the downloads are forever. Authentication software restricts access to our immediate service area.”

The local nature of the project, with its strong sense of place, may be part of its appeal. Artist Catfish Keith said despite touring worldwide he prefers to release his music on his Iowa City-based independent label and remain part of the local scene, and artist Tara Dutcher told LJ that her music students think it’s amazing to have such a resource of their local musical heritage…”

Die Bibliothekswissenschaft als Zentaurenstall? Warum das Fach den Digital Humanities besonders nahesteht.

Angesichts der Grundsätzlichkeit des Themas war das mediale Echo zur Tagung „Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften: Stellenwert – Förderung – Zukunftsperspektiven“ vom letzten Freitag sogar vergleichsweise zurückhaltend. Immerhin widmete die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe dem ausgesprochen gut besetzten und besuchten Zusammentreffen in Bonn addiert in etwa drei Spalten Text als Rahmung  einer übergroß gedruckte Fotografie (dieser hier) der Thomas Burgh Library des Trinity College in Dublin, die so wie ein trotziges Gegenbild zur digitalen Verflüssigung geisteswissenschaftlich relevanter Materialien (z.B. Bibliotheksbestände) anmutet. Der von Eleganz triefende visuelle Bibliotheksfels in der Zeitung passt denn auch ganz gut zum Bericht Thomas Thiels, dem das Thema insgesamt recht wenig Stil zu besitzen scheint.

Zum Ausdruck kommt dies beispielsweise in dem schönen Wort “Funktionslyrik”, der Gegengattung zur “Antragsprosa” (vgl. diesen FAZ-Artikel vom 30.11.2011), mit der sie jedoch semantisch auf einer Zeile liegt. Dass von der Tagung nicht viel mehr als ein Einpendeln der Richtung zu erwarten war (und diese Erwartung also weitgehend erfüllt wurde) zeigen auch informell kommunizierte Besuchereindrücke. Thomas Thiel fasst es für die Druckseite so: Continue reading ‘Die Bibliothekswissenschaft als Zentaurenstall? Warum das Fach den Digital Humanities besonders nahesteht.’

Küssen und Morden: Hubert Spiegel schreibt in der morgigen FAZ sehr schön über Bibliotheken.

Während das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Aufmacher am Montag Charlotte Roches neues Buch “Schoßgebete” großformatig und sicher in Richtung Bestseller-Listenspitzenplatz schickt, bekommt zwei Seiten später Hubert Spiegel etwas weniger Platz, über die für uns noch relevantere und in ihrer Öffentlichkeitswirksamkeit außergewöhnliche Münchener Ausstellung Die Weisheit baut sich ein Haus zu berichten. Der mit großem Foto illustrierte (Die Mátrix der Megabiblioteca José Vasconcelos in Mexiko-Stadt) Text ist dabei ein gelungenes Beispiel für präzise und zielführende Informationsverdichtung: Er kennt (und nennt) sowohl Gabriel Naudé wie die Kamelbibliothek des persischen Großwesirs Abdul Kassem Ismael – also zugleich bedeutende und kuriose Eckpunkte der Bibliotheksgeschichte. Damit gelingt es ihm, in vielleicht 1400 Wörtern glasklar kulturhistorisch nachvollziehbar herauszustellen, welchen maßgeblichen Anteil die Institution Bibliothek an der Entstehung unserer Kultur besitzt und dass sie, entgegen manchen auf ein mögliches baldiges Ableben schnellschießenden Behauptungen, wenigstens neubautechnisch noch sehr fidel daherkommt. Und dabei in verdoppelter Form:

Heute stehen die Konzepte der introvertierten und der extrovertierten Bibliothek gleichberechtigt nebeneinander.”

Diese bizentrische Gelassenheit wirkt denn auch für uns, die wir uns professionell mit den Verschiebungen der Institution Bibliothek und ihrer Möglichkeiten befassen, angemessener, als beispielsweise das traurige Lied, dass aus der Besprechung derselben Veranstaltung in der Frankfurter Rundschau heraufklang. (vgl. hier) Die Jahrtausende dicke, im Zeitfluss dahinströmende Spur von Bibliothek und Buch, die in der Digitalkultur ein sich permanent verästelndes Delta gefunden hat, scheint doch wirkmächtiger in unsere Kultur eingeschrieben, als dass wir uns grundlegend um ihre Zukunft sorgen müssten.  Sorgen wären erst dann angezeigt, wenn wir vergessen hätten, woran das Feuilleton der überregionalen Tagespresse freundlicherweise auch seine anderen Zielgruppen erinnert, nämlich

“dass es wohl keine menschliche Tätigkeit gibt, die sich in der Bibliothek nicht ausüben ließe, vom Essen und Schlafen bis zum Küssen und Morden.”

Und nebenbei die Konstruktion aller Facetten unserer kulturgestalteten Lebenswelt.

(Spiegel, Hubert: Auch die Karawane muss alphabetisiert sein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 08.08.2011, S.25)

Wenn das Leck aber nun keine Arche hat? Die Frankfurter Rundschau sieht die Bibliothek angeschlagen.

„Die Niederschrift, die von den pariser Passage handelt, ist unter freiem Himmel begonnen worden wolkenloser Bläue […]“

Wenn Oliver Herwig heute für seinen Besprechungsartikel (mit dem schwierigen Titel Die Arche mit dem Leck ) zu einer Ausstellung über Bibliotheken schon Walter Benjamin (neben Karl Marx) als den üblichen Vorzeigelesesaalbenutzer herausstellt, dann ist es schwer, nicht an diese himmelhochziehende Passage, die sich über das Passagenwerk spannt, zu denken.

Dazwischen knüpft der Journalist dann eine Wäscheleine vom großen Weltgestalter Internet – dem Schöpfer gewordenen Infrastrukturkonzept – in der immer richtig-falschen Grundaussage „Das Internet verändert alles.“ bis zur ebenso charakterisierbaren Normvorgabe für die Institution Bibliothek: „Sie wird sich weiter öffnen müssen.“

An diese heftet er einige Vorstellungsbilder einer Basisbetrachtung, die bei Konrad Gessner beginnt und einzelne Eindrücke der für ihn „seltsam melancholische[n] Ausstellung“ Die Weisheit baut sich ein Haus. Architektur und Geschichte von Bibliotheken zu einem rückschauenden Rundgang am Ende der Bibliothek, wie wir sie kennen, zusammenklammert: Continue reading ‘Wenn das Leck aber nun keine Arche hat? Die Frankfurter Rundschau sieht die Bibliothek angeschlagen.’

“Die Zeit scheint eine neue Ordnung der Dinge herbeiführen zu wollen”. Ein kurzer Blick auf Adam Soboczynskis postdemokratische Netzgesellschaftstheorie.

“Das Web 2.0 ist vor- und zugleich nachdemokratisch. Es hebelt nicht nur nationale Gesetzgebung aus, formale Strukturen politischer Partizipation, es verdrängt nicht nur die alten Medien, sondern lässt einen neuen, gleichsam alten Menschentypus auf die Bühne treten: den sozial hyperaktiven, den um Status und Witz kämpfenden Höfling, den reaktionsschnellen und bewertungssüchtigen, den geistreichen Parvenü.” (ZEIT, 48/2009, S. 51)

Aus der nicht allzu üppig bestetzten  Generation der jungen Netzkritiker ragt der 1975 geborene Schriftsteller und Feuilletonredakteur bei der ZEIT Adam Soboczynski mit bemerkenswerter Schroffheit hervor. Das mag unter anderen auch daran liegen, dass sein Medium ihm dennoch genug Publizität verschafft, um auch im Internet permanent sichtbar und zu einem vielgeklickten Autoren zu werden. Im diskursökonomischen Gemenge treibt seine Stimme jedenfalls häufig weit an der Oberfläche.

Wenn man seine Publikationsbiografie zum Beispiel vom Meilenstein-Text Das Netz als Feind. (Untertitel: Warum der Intellektuelle im Internet mit Hass verfolgt wird) aus dem Jahr 2009 ausgehend verfolgt (vergleiche dazu auch hier), dann hat man jedoch auch als jemand, der dem unreflektierten Gebrauch des Kommunikationsnetzwerks Internet gern mal mit Skepsis, mal mit Kritik gegenüber steht, wenig Grund, ein Fan zu werden. Das Eingangszitat demonstriert anschaulich, dass für den ZEIT-Artikel nicht unbedingt ein Kalligraph des ausgewogenen Sacharguments an den Tasten saß, sondern ein Mann weniger mit einer Mission als mit einem klar umrissenen Feindbild. Continue reading ‘“Die Zeit scheint eine neue Ordnung der Dinge herbeiführen zu wollen”. Ein kurzer Blick auf Adam Soboczynskis postdemokratische Netzgesellschaftstheorie.’

Jan-Hendrik Olbertz zum Thema HU & Promotionsrecht

Die Plagiatsaffären um Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin konnten in den letzten Wochen und Monaten ja mehr als einmal ein höhnisches Grinsen auf die Lippen zaubern. Gestern erst gab die Untersuchungskommission der Universität Bayreuth ihr Urteil zu den Plagiatsvorwürfen gegenüber dem Ex-Verteidigungsminister bekannt (jaaa, er hat vorsätzlich getäuscht… wer hätte es gedacht) und Koch-Mehrin trat von ihren Ämtern zurück (auch hier gibt es eigentlich wenig Grund zu Mitleid, zumal sie ja ihren Sitz im Straßburger Parlament behalten will – nur so ein halber Rücktritt also).

Heute dann ein Interview des HU-Präsidenten mit der Berliner Morgenpost, in dem er laut über mögliche Folgen dieser Skandälchen nachdenkt. Jan-Hendrik Olbertz kündigt an, dass er sich für ein verschärftes Promotionsrecht in seinem Hause einsetzen werde:

“Ich dringe darauf, dass es künftig eine Rahmenpromotionsordnung gibt, die vorschreibt, dass Abschlussarbeiten immer auch in elektronischer Form abgegeben werden. Damit wenigstens immer die Möglichkeit besteht, sie auch in Bezug auf unerlaubte Übereinstimmungen mit anderen Arbeiten zu überprüfen.”

Na, wollen wir doch mal abwarten, was daraus wird – die Mühlen mahlen ja bekanntlich langsam im Universitätsbetrieb. Diese Angelegenheit scheint der HU noch nicht mal eine Pressemeldung auf den eigenen Seiten wert.

Was unser Präsident in dem Interview nicht erwähnt, ist, wie eine solche Überprüfung eigentlich vorgenommen wird. Stichwort Plagiaterkennungssoftware. Diese ist übrigens Thema des nächsten BBKs am 17.05.2011: Plagiatserkennungssoftware: Wundermittel oder Zeitverschwendung -Prof. Dr. Debora Weber-Wulff (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin)

Paper Passionsfrucht. Das FAZ-Feuilleton entdeckt den Librarian Chic.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist nun wahrlich nicht als Trend-Medium bekannt. Sondern eher dafür, dass sie die Gegenwartskultur mit einer ziemlich bodenständigen, bildungsbürgerlichen, bewahrensorientierten Elle misst und Ausdrücke wie Arrière-Garde richtig zu gebrauchen versteht. Daher mutet es mitunter beinahe rührend an, wenn sie doch zu Scherenelementen am Pauschenpferd der Modewelt des digitalen Lifestyles ansetzt. Im Feuilleton der morgigen Ausgabe ist es denn wieder so weit (Kafka pour homme. In: Ausgabe vom 28.04.2011, S. 29). Angesichts der Ankündigung Karl Lagerfelds, einen Duft des Buches zu kreieren, schwingt sich der Kolumnist namens dhaa Daniel Haas zu einer sinnlichen Kür über sein Gerät, dass es mir fast schwer fällt, auf diesen Hut der duften Medienreflektion noch einen zweiten zu setzen: Continue reading ‘Paper Passionsfrucht. Das FAZ-Feuilleton entdeckt den Librarian Chic.’

Ike

Heute in der taz zu lesen: Wie man Google Scholar und Sekundärdienste ausnutzen kann, um erfundene Wissenschaftler in die höchsten Höhen des Fake-Zitationsruhmes zu katapultieren.

Radiosendung zum Thema “Bibliotheken” am 10.10.2010 um 16 Uhr

Am kommenden Sonntag (10.10.2010) läuft von 16-17 Uhr eine Radiosendung zum Thema Bibliotheken. Es werden viele spannende Themen rund um Bibliotheken zu hören sein, unter anderem zu Fahrbibliotheken, zum Grimm-Zentrum, zu Ilias Canetti “Die Blendung” und zum Geheimen Preußischen Staatsarchiv.

Hörbar ist die Sendung auf den folgenden Frequenzen:

“ALEX auf 88vier”, Antenne:
88,4 MHz und 90,7 MHz

Berliner Kabelnetz:
92,6 MHz – Kabel Deutschland

Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, die Sendung als Livestream im Internet zu hören unter http://www.alex-berlin.de/radio.

FAZ: Abbau Buch

Schöner Artikel im FAZ Feuilleton (17.09.2010): “Die Politik verfolgt mit ihren Mittelkürzungen eine zweigleisige Strategie: Einerseits will sie in die Bildung investieren, andererseits beschneidet sie den Zugang dazu. Denn Bibliotheken sind wichtiger Bestandteil der Bildungsinfrastruktur von Städten und Gemeinden.”

Wissenschaft, E-Books und das Urheberrecht

Die Aufzeichnung des Inforadio RBB zu der Veranstaltung “Wissenschaft, E-Books und das Urheberrecht”, die in Zusammenarbeit mit der Landesinitiative Projekt Zukunft der Senatsverwaltung fuer Wirtschaft, Technologie und Frauen am 2. Maerz in Berlin stattgefunden hat  ist unter http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/forum/201003/135542.html zugänglich.

“Zugänglich in Ausnahmefällen”

In seinem lesenswerten Artikel beklagt Autor Götz Aly in der heutigen Berliner Zeitung, das Fehlen einer zentralen Forschungsbibliothek zum Nationalsozialismus in Berlin.

Berlin ist arm und verpulvert das wenige verfügbare Geld in möglichst vielen Kleinbibliotheken. Der heutige Holocaust-Gedenktag gibt Anlass, über die groteske Aufsplitterung der zeitgeschichtlich und judaistisch angelegten Sammlungen nachzudenken.

Aly bringt beschreibt Vielzahl von Beispielen an kleinen Forschungsbibliotheken hervor, anhand derer seine Argumentation für eine zentrale Lösung  in der Kreuzberger Blumenhalle durchaus nachvollziehbar ist. Ich bezweifle aber ebenso wie der Autor, ob die jeweiligen Institutionen / Unterhaltsträger dazu bereit sind. Zu viele Interesseen gelte es zu berücksichtigen. Wünschenswert ist es in jedem Fall. Sollte Alys Idee Realität werden, wäre das Bibliothekswesen auf einem neuen Niveau des Übergangs von Zweischichtigkeit zur Einschichtigkeit angekommen…

Kennt jemand ein Beispiel, wo Bibliotheken unterschiedlicher Institutionen zu einem Forschungsbereich in einer Einrichtung aufgegangen bzw. zusammengefasst worden sind?

Rückschau auf den “Study Visit : Multicultural Libraries: practice makes perfect!” vom 2-3 November in Rotterdam

Vom 2.11.-3.11. nahm ich an einer Tagung zur multikulturellen Bibliotheksarbeit in der Stadtbibliothek Rotterdam teil, an der BibliothekarInnen aus Spanien, Israel, Norwegen, Schweden, Belgien, den Niederlanden und Deutschland teilnahmen. Best Practice Beispiele aus Deutschland und Belgien wurden keine vorgestellt. Eine Gruppe von Studenten der HdM Stuttgart waren mit ihren Dozenten und mir die einzigen Teilnehmer aus Deutschland. Ein ausführlicher Bericht, zu dem bald ein zweiter Teil folgt, findet sich hier. Darüber hinaus hatte ich Gelegenheit das Library Concept Center in Delft und die Stadtbibliothek Den Haag zu besuchen. Demnächst erscheint hierzu ein weiterer Bericht im IFLA-Newsletter Library Services to Multicultural Populations, der andere Schwerpunkte setzt. Hingewiesen sei noch auf das Grundtvig Programm, das im nächsten Jahr im Zuge des European Year for Combating Poverty and Social Exclusion , für Bibliotheken attraktive Fördermöglichkeiten bietet. In Frage kommen insbesondere Lernpartnerschaften, Workshops und Freiwilligenprojekte. Mögliche Zielgruppen wären Migranten, erwachsene Schulabgänger ohne Abschluß und Ältere.

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Rückschau auf die Veranstaltung „Das Fremde in uns und wir im Fremden“ vom 07.10.09 im Puttensaal der Bibliothek am Luisenbad in Berlin-Wedding

Für alle, die diese dreistündige Veranstaltung verpasst haben, gibt es im Blog bibliothekarisch.de eine kurze Zusammenfassung . Zu Beginn wurden Bücher des Simon-Verlags für Bibliothekswissen zu den Themen Projektförderung, Sozialer Bibliotheksarbeit, Informationskompetenz für Migranten und Diversity Management für Bibliotheken vorgestellt. Im Anschluß wurde nach einer kurzen Pause dazu Bezug genommen und vor allem über die Themen (soziale) Teilhabe, Integration, Lebenslanges Lernen, Bibliotheksverständnis, Antidiskriminierung und Mehrsprachigkeit im Round Table debattiert. Gäste für den Round Table waren Herr Prof. Dr. Hobohm (Dekan, FH Potsdam), Frau Lourina de Voogd (Vereniging van Openbare Bibliotheken VOB, Netherlands Public Library Association, Den Haag), Herr Mark Terkessidis (Migrationsforscher, Radiomoderator und Journalist), Frau Canan Bayram, (Migrationspolitische Sprecherin der Grünen, MdA, Berlin) und Herr Oumar Diallo (der Leiter des Afrikahauses Berlin). Die diskutierten Themen werden hoffentlich dank der Zukunftswerkstatt, anderen Multiplikatoren (der Politik) und Bibliothekaren aus dem Nischendasein verschwinden, da ja die Interkulturelle Bibliotheksarbeit gemeinhin immer noch als Sonderaufgabe (jede Art von interkultureller Arbeit) verstanden wird. Ein ehrgeiziges Unterfangen sollte die Erreichung des strategisches Ziels der dbv-Kommission Interkulturelle Bibliotheksarbeit eines sog. „Intercultural mainstreaming“ als Querschnittsaufgabe in allen Bereichen, vom Bestandsaufbau bis hin zur Personalpolitik, sein. Auf Anfrage ist es möglich eine Aufzeichnung der Veranstaltung vom Simon-Verlag für Bibliothekswissen zu erhalten.

Die BnF und Google: Das Thema der Woche

Thema des Tages, wenn nicht der Woche und zwar weltumspannend wird mit Sicherheit, dass Google nun auch mit Beständen der BnF seine Bestände an digitalisierten Büchern ausbauen wird. Es ist klar, dass es bei dieser “radikalen Wende” (FAZ) um mehr als eine Projektkooperation geht.  Im medial und auch manchen bibliothekarischen Kreisen gern ausgerufenen Kulturkampf Europas kulturelles Erbe vs.  Google-Books ist das Entsetzen daher wohl recht groß. Eine üppige Diskussion entspinnt sich gerade La republique des livres-Blog. Und auch die Kommentarliste der Times, die Google bruises Gallic pride as national library does deal with search giant titelt, füllt sich so langsam. Für ambitionierte Diskursbeobachter steht nun vermutlich und endlich nach dem Abflauen der Urheberrechtsdebatte wieder eine aufregende Medienbeobachtungzeit mit glühenden Nachrichtenaggregatoren und sich überschlagenden Feuilletons an.

Auf den Knien: Bücher, einst “nur für den Lesesaal”

Der Lesesaal, Keimzelle der Bürgerlichkeit und der modernen Demokratie, ist größer geworden. Die elektronischen und digitalen Bücher haben seine Wände gesprengt und ihn zum Weltkreis erweitert, den er zuvor nur abgebildet hat.

stellt Klaus Kreimeier heute in der Frankfurter Rundschau in einem Kommentar zum Medienwandel und zur Alltagserfahrung des Digitalisats im WWW fest: Im Netz:  Nur im Lesesaal!

Wo steht die Kuh des Open Access eigentlich? Die FAZ meint: Auf dem Eis.

“Das heißt aber auch, dass „künftig“, soweit keine Vereinbarung entgegensteht, eine klare Erwartung besteht. Freilich: Es kommt entscheidend auf die Praxis an. Was wird vom Autor gefordert? Kann er sich tatsächlich frei entscheiden? Muss er sich fügen, nur weil öffentliche Mittel im Spiel sind?”

Im Feuilleton der Mittwochsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bleibt Reinhard Müller (Die Kuh ist nicht vom Eis. In: FAZ, 29.07.2009, S. 29) gegenüber der nun wirklich sehr deutlichen Aussage der DFG, es gäbe keinen Zwang zur Publikation nach dem Open Access-Verfahren in der deutschen Wissenschaft, skeptisch:

Eine Erklärung von zahlreichen Wissenschaftsorganisationen wird durch den Brief des Präsidenten einer der beteiligten Vereinigungen oder durch eine Tagungsäußerung nicht hinfällig.

Er hält sich dabei betont vage (“Freilich: Es kommt entscheidend auf die Praxis an.”), empfindet die Empfehlungen der Wissenschaftsorganisationen wohl aber durchaus als potentiell eine Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit in sich tragend. Solange die Wahl bleibt, hat er letztlich aber kein Problem. Daneben aber einen Ratschlag, wie die Zeitschriftenkrise – offensichtlich begrenzt auf die Printtitel – zu lösen sei:

“Wer meint, gedruckte Werke seien zu teuer, sollte den Monopolisten auf die Finger schauen und das Wettbewerbsrecht bemühen – dazu ist es nämlich da.”

Man darf gespannt sein, ob diese neuerliche Sensibilisierung die Debatte am laufen hält oder in der Wissenschaftswirklichkeit die Kuh vielleicht doch vom Eis ist bzw. nie darauf war und die Kirche im Dorf bleibt.

Mit der heutigen Ausgabe der Basler Zeitung lässt sich immerhin dagegenhalten:

Open Access oder nicht – das ist längst nicht mehr die Frage, die Bewegung ist ein Megatrend der Wissenschaftswelt, und das ist auch gut so. 90 Prozent der Zeitschriften und Verlage, auch die Giganten, stimmen inzwischen zu, dass bei ihnen veröffentlichte Texte auch auf der Website der Autoren oder einem Universitätsserver stehen – öffentlich und kostenfrei zugänglich. In den meisten Disziplinen sind die Vorteile überwältigend. Und für den Erhalt einiger mittelgrosser Player in unserer Kulturlandschaft müsste sich auch sorgen lassen.

Das Wissen der Welt frei im Netz: Open Access funktioniert.

Books are for use. Die NZZ betrachtet das Urheberrecht im Anschluss an die Frankfurter Tagung und wagt eine interessante These

Das angloamerikanische Copyright-Law und das kontinentale Urheberrecht unterscheiden sich massgeblich darin, dass das Copyright auf die Rechte der Verwerter abhebt, jedoch von den persönlichkeitsrechtlichen Belangen des Urhebers wenig weiss. Das Pathos der Rede vom «geistigen Eigentum», das die ideelle Beziehung zwischen Autor und Werk zu einer unveräusserlichen macht, ist dem US-Recht fremd. Dass es auch den Europäern fremder wird, daran arbeiten in Europa sowohl Internetpiraten wie auch «nutzerfreundliche» Richter, die erklären, von Diebstahl könne im Internet keine Rede sein, denn wer kopiere, nehme ja niemandem etwas weg.

Im Feuilleton der heutigen Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung erklärt Joachim Güntner im Anschluss an die Frankfurter Tagung von “Roland Reuss und seine[n] Kombattanten” [sic!] noch einmal, dass das Internet nun mal eine verschiedene Rechtsräume übergreifender Kommunikationssphäre ist. Zudem wertet er die Aussage der DFG, dass es keinen Publikationszwang gäbe, als Frucht der Proteste und hat damit in Bezug auf die Aussage selbst vielleicht sogar recht. Nur vom “Zurückrudern” der Deutschen Forschungsgemeinschaft kann man nicht wirklich sprechen, denn es lag gar kein Zwang vor. Auch nicht klar ist, ob er, wenn er etwas abwertend von “zu Copy-Shops mutierenden Bibliotheken” spricht, dies als Argument aus Frankfurt oder als allgemein wahrgenommene Entwicklung sieht.

Der wirklich interessante und bemerkenswerte Aspekt im Artikel ist aber die Vermutung, dass Google überhaupt nicht mit dem Ziel digitalisiert, in den Buchmarkt einzusteigen und es ihm mehr noch kaum um die konkreten Bücher und Buchinhalte selbst geht. Der Autor beruft sich vielmehr auf eine Aussage Auke Haagsmas von der ICOMP, mit dem er davon ausgeht, dass Google die Inhalte der Bücher als Korpus verwendet, um die Entwicklungen seiner “Semantic Web”-Funktionalitäten voranzutreiben:

Google füttere seine Server vor allem deshalb mit Weltliteratur, damit die Suchmaschine die Anfragen der Nutzer gleich übersetzen und ihnen dann Antworten aus vielen Sprachen der Welt liefern könne. Polyglott und zum komplexen Sinnverstehen fähig also soll die Maschine werden, Syntax und Semantik lernen für ihr Kerngeschäft, die Suchanfrage.

Wenn dies korrekt ist, dann würde die Bücher über Google Books ausschließlich als Bonus und Philantropie als Digitalisat angezeigt. Notwendig wäre es aber nicht und Google könnte sich entsprechend entspannt auch die Darstellung untersagen lassen, solange es nur weiter digitalisieren und all die Texte harvesten dürfte, die als Mittel zu einem höheren Zweck dienten. Was man wohl in Heidelberg zu der These sagen würde, dass die eigenen geistigen Leistungen schnöde zum Füttern einer digitalen Maschinerie dienen, der es gar nicht um die Inhalte geht, sondern darum, wie Zeichen und Zeichenketten miteinander in Beziehung stehen? Und was eine semantische Technologie wohl aus der Lyrik Paul Celans lernt? Im Resultat ständen jedenfalls noch ganz andere Celan-Provokationen.

Den Artikel der NZZ gibt es hier: Ist das Urheberrecht ein Papiertiger?

Nichts als Schreckgespenster. Die Süddeutsche Zeitung schickt einen Artikel zum Open Access gen Frankfurt

Wer nach einem schönen BBK-Vortrag z.B. zum Thema Open Access und geisteswissenschaftlichen Primärdaten bzw. konkret zum ECHO Projekt an einem solchen Dienstagabend in einem Straßencafé der Berliner Kastanienallee zum Nachtmahl einkehrt, bekommt die Süddeutsche Zeitung vom Mittwoch druckfrisch als Beilage serviert. Je nach Betrachtung lässt sich die aktuelle Ausgabe allgemein als Hors d’œuvre zum kulinarischen Ausklingen des Tages oder als Nachtisch zur Präsentation der digitalisierten Keilschriften und der daraus folgenden Umwälzungen in der Wissenschaftspraxis der Assyriologie lesen.

Oder mehr in Hinblick auf Open Access an sich, denn im Feuilleton lacht dem aufblätternden Betrachter ein Beitrag entgegen, der sich in der Überschrift am Titel der momentan vielgerühmten, aber mangels Online-Verfügbarkeit wohl weniger gelesenen Ausgabe der Zeitschrift Gegenworte orientiert. Titelt diese “Die Wissenschaft geht ins Netz”, so hat Johan Schloemann den Schritt in gewisser Weise bereits vollzogen und entsprechend liest man über dem Artikel: Die Wissenschaft im Netz.

Darunter folgt ein höchst lobenswerter Aufruf, der sich prima auf die heute in Frankfurt/Main stattfindende Urheberrechtstagung beziehen lässt: “Schluss mit dem Kulturkampf” und als Themenstellung für den Text “Die Chancen des Open Access.” Continue reading ‘Nichts als Schreckgespenster. Die Süddeutsche Zeitung schickt einen Artikel zum Open Access gen Frankfurt’

Lebensjahre Einsamkeit? Der Tagesspiegel sinniert über den Menschen und sein Wissen im Internet.

Früher pilgerten wir zu Bibliotheken und Archiven, den Lagerstätten für Wissenswertes. In Sälen und Hallen, still wie Kirchen, raschelten die Seiten, es roch nach Papier, man beugte sich über gebundene Konvolute oder lose Dokumente und kramte in alphabetisch sortierten Zettelkästen, sogenannten Katalogen. Seit Gutenberg den Druck der Lettern erfand, gibt es Bücher, und je mehr es gab, desto häufiger wurden sie gesammelt und sortiert.

In der heutigen Ausgabe des Tagesspiegels unternimmt Caroline Fetscher eine recht umgreifende Betrachtung dessen, was sich mit dem Internet in unseren Wissenspraxen ändert. Die Einsamkeit der Bibliotheksarbeitsplätze tauschen die Nutzer gegen eine andere, “wenn ihnen ein virtueller Megakontinent aus Daten zur Verfügung steht und sie mehr Lebenszeit vor dem Bildschirm verbringen als in der Auseinandersetzung mit Kollegen, Studenten, Patienten”. Die Autorin bezieht sich in ihrem Artikel sowohl auf Walter Benjamin wie auch Stevan Harnad und schließt mit dem gesamtgesellschaftlichen Fazit, dass die Technik uns zwar u.a. hilft, den Prozess der Zivilisation fruchtbar voranzutreiben, am Ende aber doch nur Werkzeug bleibt. Für “die höhere Reife” sorgt sie jedenfalls nicht von selbst. Den Volltext gibt es hier: Gigabytes statt Gutenberg

Bing ist besser als sein Vorbild, meint die New York Times

People won’t start dumping Google en masse; Google is a habit.

Die New York Times betrachtet Bing und Google im Vergleich und kommt zu dem Ergebnis: ” if you value your time, you should give Bing a fling.”: Bing, the Imitator, Often Goes Google One Better

OA in Austria, ein Interview im ORF

Die Wissenschaftsverlage bieten auch Hybridmodelle bei der Erwerbung der Zeitschriften an. Fairerweise muss man dazusagen, dass sich bei den Fachverlagen da auch ein Bewusstsein entwickelt hat. Sie diskutieren mit den Bibliotheken über Finanzierungsmodelle, die eine Reduzierung der Zeitschriftenpreise vorsehen, wenn die freigekauften Artikel einen bestimmten Schwellenwert erreicht haben. Der Markt reagiert schon auf diese Probleme, allerdings nur auf Druck des wissenschaftlichen Personals und der Bibliotheken.

In der ORF hat sich für seine “Futurezone” mit Brigitte Komp und Petra Oberhuemer von der Arbeitsgruppe Open Access der Universität Wien recht ausführlich über verschiedene Aspekte von Open Access allgemein und in Österreich unterhalten. Den Interview-Text gibt es hier: Open Access: “Bildung nicht nur für Eliten”

9 1/2 Milliarden und davon fast nichts durch E-Books: Der Buchhandelsumsatz 2008

Jedenfalls wandert im Bereich Wissenschaft ein ganzer Publikationszweig ins Internet ab, was keineswegs nur Nachteile für die Forschenden bedeutet, wie die Befürworter des “Open Access” zu betonen nicht müde werden. So bleibt beispielsweise die akademische Qualifizierung unabhängig von den mächtigen Verlagen und deren Forderungen nach teilweise horrend hohen Druckkostenzuschüssen.

Dei Frankfurter Rundschau meldet heute, dass der deutsche Buchhandel trotz allgemeiner Untergangsstimmung im Jahr 2008 immerhin  9,614 Milliarden Euro Umsatz zusammenbrachte. Das Medium “E-Book” spielt dagegen “in Deutschland wirtschaftlich noch überhaupt keine Rolle”. Ein wenig irritiert dies schon angesichts der heftigen Diskussionen zu diesem Thema. Die vermischen allerdings gern E-Books und andere elektronische Publikationsformen und damit in gewisser Weise den Publikumsmarkt und den wissenschaftlichen Markt.

Dass das E-Book-Angebot z.B. in den Universitätsbibliotheken, welches nicht selten analog zum E-Zeitschriften-Angebot gehandhabt wird, wirtschaftlich unerheblich ist, mag man angesichts der Paketpreise kaum glauben. Allerdings scheint es nicht unerwartbar, dass sich das E-Book in diesem Bereich ohnehin bald medial mit anderen Formen vermengt und in nicht allzu ferner Zukunft eher dynamische und vernetzte Dokumentstrukturen als Einzeldokumente vorliegen. Das Lehrbuch erscheint dabei als je nach individuellen Bedürfnissen temporär zusammengestellter Baustein (oder Knoten) in einer Sphäre von verknüpften Texten, Bildern, etc. und gern auch Primärdaten, der mit dem traditionellen Lehrbuch so wenig zu tun hat, wie Google Maps mit einem Atlas. Dann spätestens erweist sich die Buchmetapher hinter dem E als Anachronismus.

Den Text der Franfurter Rundschau gibt es hier: Krise verschont Buchhandel: Ein kleines Wunder.

Literaturstadt ohne Bibliothek: Josef Winkler über Klagenfurt

Aber für eine Stadtbibliothek in der Landeshauptstadt, wie es sie in jeder Stadt Mitteleuropas gibt, hatten diese drei erwähnten Politiker in den letzten Jahren, und eigentlich seit dieser Literaturwettbewerb existiert, kein Geld. Sie haben kein Geld für eine Bibliothek für Kinder und Jugendliche.

Die WELT druckt heute die grimmige Rede Josef Winklers zur Eröffnung des diesjährigen Bachmann-Wettbewerbes im wohl stadtbibliotheksfreien Klagenfurt: Todesfälle in Klagenfurt.

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