Before You Were Born: We Were Digitizing Texts
Leslie Johnston von der Library of Congress rekapituliert die Entwicklungen der letzten 40 Jahre in den Vereinigten Staaten.
Weblog am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin
Leslie Johnston von der Library of Congress rekapituliert die Entwicklungen der letzten 40 Jahre in den Vereinigten Staaten.
am 28. November 2012 geht die Beta-Version der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) online. Dies wird einen ersten Eindruck von den Möglichkeiten vermitteln, die dieses zentrale Zugangsportal zu Kultur und Wissen in Deutschland einmal bieten wird. Ziel der DDB ist es, jedermann über das Internet freien Zugang zum kulturellen und wissenschaftlichen Erbe Deutschlands zu eröffnen, also zu Millionen von Büchern, Archivalien, Bildern, Skulpturen, Musikstücken und anderen Tondokumenten, Filmen und Noten. Als zentrales nationales Web-Portal soll es perspektivisch alle deutschen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen sowie deren digitale Angebote miteinander vernetzen. Außerdem ist die DDB der nationale Datenzulieferer für die Europeana. Im Rahmen der Pressekonferenz stellen wir die Beta-Version vor und geben einen Ausblick darauf, was die Nutzerinnen und Nutzer im kommenden Jahr an Erweiterungen erwarten können. … 28. November 2012 Wir würden uns über Ihren Besuch sehr freuen und bitten um Ihre Anmeldung per Mail Die Veranstaltung wird live im Internet übertragen unter livestream.deutsche-digitale-bibliothek.de. Achim Klapp, Wilhelm Nöldeke
11 Uhr
Altes Museum Berlin – Museumsinsel Berlin
Am Lustgarten, 10178 Berlin-Mitte
unter presse@deutsche-digitale-bibliothek.de!
Es wird gefeiert! Zum 30jährigen Bestehen der Zeitschrift Library Hi Tech folgt in der Ausgabe v30n1 ein hochkarätiger Artikel den nächsten. Unter anderem berichten Karen Markey, Chris Leeder und Soo Rieh in *Through a game darkly: student experiences with the technology of the library research process* über ein Spiel als effektive Lehrmethode für die
Vermittlung von Konzepten der Informationskompetenz und den dazugehörigen Fähigkeiten an aus dem Ausland kommende Studierende.
Der Beitrag *Invisible Institutional Repositories: Addressing the Low Indexing Ratios of IRs in Google Scholar* von Kenning Arlitsch und Patrick OBrien hat gleich zu Beginn starke Resonanz ausgelöst. Seid bei den Diskussionen dabei oder findet ein Thema für Haus-, Bachelor-, Master oder Magisterarbeiten.
Die neue Ausgabe findet ihr kostenlos im HU-Netz unter:
http://www.emeraldinsight.com/journals.htm?issn=0737-8831&volume=30&issue=1
Werft einen Blick hinein, es lohnt sich!
Viel Freude wünscht euch beim Lesen Katja.
Der Lehrstuhl für Digitale Bibliotheken (Michael Seadle) sucht derzeit eine(n) wissenschaftliche(n) Mitarbeiter(in) für eine 1/2- Teilzeitstelle TVL 13 HU für max. sechs Jahre. Die Stelle umfasst u. a. Aufgaben zur Vorbereitung einer Promotion, sowie wiss. Dienstleistungen in Forschung und Lehre des Forschungsgebiets. Gefordert wird u. a. ein abgeschlossenes wiss. Hochschulstudium im Bereich LIS oder verwandten Bereichen, sehr gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift sowie sehr gute Kenntnisse im Bereich Statistik. Genauere Details und Kontaktinformationen entnehmen Sie bitte der Stellenausschreibung.
Angesichts der Grundsätzlichkeit des Themas war das mediale Echo zur Tagung „Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften: Stellenwert – Förderung – Zukunftsperspektiven“ vom letzten Freitag sogar vergleichsweise zurückhaltend. Immerhin widmete die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe dem ausgesprochen gut besetzten und besuchten Zusammentreffen in Bonn addiert in etwa drei Spalten Text als Rahmung einer übergroß gedruckte Fotografie (dieser hier) der Thomas Burgh Library des Trinity College in Dublin, die so wie ein trotziges Gegenbild zur digitalen Verflüssigung geisteswissenschaftlich relevanter Materialien (z.B. Bibliotheksbestände) anmutet. Der von Eleganz triefende visuelle Bibliotheksfels in der Zeitung passt denn auch ganz gut zum Bericht Thomas Thiels, dem das Thema insgesamt recht wenig Stil zu besitzen scheint.
Zum Ausdruck kommt dies beispielsweise in dem schönen Wort “Funktionslyrik”, der Gegengattung zur “Antragsprosa” (vgl. diesen FAZ-Artikel vom 30.11.2011), mit der sie jedoch semantisch auf einer Zeile liegt. Dass von der Tagung nicht viel mehr als ein Einpendeln der Richtung zu erwarten war (und diese Erwartung also weitgehend erfüllt wurde) zeigen auch informell kommunizierte Besuchereindrücke. Thomas Thiel fasst es für die Druckseite so: Continue reading ‘Die Bibliothekswissenschaft als Zentaurenstall? Warum das Fach den Digital Humanities besonders nahesteht.’
Es ist (aus verschiedenen Gründen und leider) nicht mehr oft der Fall, dass sich im IBI-Weblog noch inhaltliche Debatten entfalten – so selten, dass sogar der Direktlink von der umgestalteten Homepage des Instituts verschwunden ist. Ein Beitrag von Alexander Struck deutete allerdings jüngst wieder einmal an, wie Themendiskussionen in Weblogs entstehen können und da das Thema Berufsethik bzw. ebenso die Frage nach der politischen Positionierung von Bibliothekaren und Infomationsspezialisten jedes Fachbewusstsein permanent begleiten sollte, möchte ich sie aus dem Kommentar-Thread noch einmal herausheben und zugleich auf einen anderen Beitrag zum Thema hinweisen. Continue reading ‘Wieviel Ethik braucht das Fach? Zu einer möglichen Diskussion.’
Während das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Aufmacher am Montag Charlotte Roches neues Buch “Schoßgebete” großformatig und sicher in Richtung Bestseller-Listenspitzenplatz schickt, bekommt zwei Seiten später Hubert Spiegel etwas weniger Platz, über die für uns noch relevantere und in ihrer Öffentlichkeitswirksamkeit außergewöhnliche Münchener Ausstellung Die Weisheit baut sich ein Haus zu berichten. Der mit großem Foto illustrierte (Die Mátrix der Megabiblioteca José Vasconcelos in Mexiko-Stadt) Text ist dabei ein gelungenes Beispiel für präzise und zielführende Informationsverdichtung: Er kennt (und nennt) sowohl Gabriel Naudé wie die Kamelbibliothek des persischen Großwesirs Abdul Kassem Ismael – also zugleich bedeutende und kuriose Eckpunkte der Bibliotheksgeschichte. Damit gelingt es ihm, in vielleicht 1400 Wörtern glasklar kulturhistorisch nachvollziehbar herauszustellen, welchen maßgeblichen Anteil die Institution Bibliothek an der Entstehung unserer Kultur besitzt und dass sie, entgegen manchen auf ein mögliches baldiges Ableben schnellschießenden Behauptungen, wenigstens neubautechnisch noch sehr fidel daherkommt. Und dabei in verdoppelter Form:
“Heute stehen die Konzepte der introvertierten und der extrovertierten Bibliothek gleichberechtigt nebeneinander.”
Diese bizentrische Gelassenheit wirkt denn auch für uns, die wir uns professionell mit den Verschiebungen der Institution Bibliothek und ihrer Möglichkeiten befassen, angemessener, als beispielsweise das traurige Lied, dass aus der Besprechung derselben Veranstaltung in der Frankfurter Rundschau heraufklang. (vgl. hier) Die Jahrtausende dicke, im Zeitfluss dahinströmende Spur von Bibliothek und Buch, die in der Digitalkultur ein sich permanent verästelndes Delta gefunden hat, scheint doch wirkmächtiger in unsere Kultur eingeschrieben, als dass wir uns grundlegend um ihre Zukunft sorgen müssten. Sorgen wären erst dann angezeigt, wenn wir vergessen hätten, woran das Feuilleton der überregionalen Tagespresse freundlicherweise auch seine anderen Zielgruppen erinnert, nämlich
“dass es wohl keine menschliche Tätigkeit gibt, die sich in der Bibliothek nicht ausüben ließe, vom Essen und Schlafen bis zum Küssen und Morden.”
Und nebenbei die Konstruktion aller Facetten unserer kulturgestalteten Lebenswelt.
(Spiegel, Hubert: Auch die Karawane muss alphabetisiert sein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 08.08.2011, S.25)
Ben hat ja kuerzlich mit der Drehscheibe Diskurs und im BBK einen kleinen Diskussionsraum aufgespannt, worum es in der Disziplin gehen koennte. Mir kommen manchmal z. B. die folgenden Sachen in den Sinn:
When Astronomy Met Computer Science koennte auch heissen: … Met Information Science, denn “producing 30 terabytes of data nightly” klingt doch wie eine Herausforderung fuer einen Informationswissenschaftler?!
“It’s not just data volume. It’s also the quality and complexity. [...] A major sky survey might detect millions or even billions of objects, and for each object we might measure thousands of attributes in a thousand dimensions. You can get a data-mining package off the shelf, but if you want to deal with a billion data vectors in a thousand dimensions, you’re out of luck even if you own the world’s biggest supercomputer. The challenge is to develop a new scientific methodology for the 21st century.”
Aber nehmen die Informatiker den Informationswissenschaftlern hier etwa wieder die Butter vom Brot?
The backbone of that methodology is the data-crunching technique known as informatics. It has already transformed medicine, [...] The basic idea is to use computers to extract meaning from raw data too complex for the human brain to comprehend. Algorithms can scour terabytes of data in seconds, highlighting patterns and anomalies, visualizing key information, and even “learning” on the job.
wird jetzt in einem von Google anschubfinanzierten Institut erforscht. Die Meinungen dazu gehen auseinander. Ende Oktober soll es losgehen. Webometrie haette ich ja auch als Forschungsgegenstand erwartet, ist aber vielleicht nicht gesellschaftsrelevant ; )
Siehe auch: Google in Berlin
“There are reseller Web sites in China where we’ve purchased access to our own products for pennies on the dollar,”
sell SciFinder access, giving buyers hacked user names and passwords and instructions on how to remotely log in to a college Web site so that they appear to be on the campus
Most hackers, to be clear, are not after the latest scientific journals when they steal college users’ names and passwords: In many cases, they use the information to send spam e-mails from college accounts, according to campus security officials. But considering the high price of online journal access, and the usefulness of some of the information to industry, some security experts say it is only natural that at least a few clever hackers try selling pirate access to scholarly databases.
Some recent technical changes [...] could make such hacking more difficult. Unfortunately, the changes make legitimate academic use more difficult as well.
Link zum Artikel und noch ein aelterer Artikel aus derselben Quelle.
Unter diesem Titel findet morgen und uebermorgen eine Tagung statt. Neben Wolfgang Coy und anderen tragen unsere Professoren Seadle und Gradmann ebenfalls vor.
Die Informationsgesellschaft wird auf einer technischen Infrastruktur aufgebaut, die nicht ohne Risiken ist und deren Risiken sich nicht auf die organisatorischen Lecks des nachlässigen Umgangs mit schutzwürdigen Daten gegenüber äußerlichen Angriffen beschränken. Viele Fehlerursachen liegen tiefer in der technischen Infrastruktur. Trotz intensiver Maßnahmen lassen sich solche technischen Fehler nicht ausschließen. Langfristige Lagerung und Archivierung digitaler Daten und Artefakte, darunter auch multimediale, programmierte, interaktive Artefakte zählt zu den großen Herausforderungen an die Zuverlässigkeit der informatischen Technik. Der Workshop wird sich mit diesen Teilaspekten, insbesondere der Langzeitarchivierung, der Speichertechnik, der Datenorganisation und der Notation von geeigneten Metadaten befassen.
Wem das zu trocken klingt, es geht auch um Computerspiele und es gibt eine Fuehrung im Museum fuer selbige : )
Es wird um Anmeldung unter: loebel (at) informatik.hu-berlin.de gebeten.
Ort: Berlin-Friedrichshain Google Maps.
Weil Richard Stallman ja demnaechst an der BBAW spricht, hier ein Statement (pdf) von ihm zum Thema ebooks.
(via /.)
Das kalifornische Newport Beach ist nicht nur die Wahlheimat Jürgen Klinsmanns sondern momentan auch dafür bekannt, dass sie die dortige Public Library zwar public bleibt, jedoch zugleich zur bookless library wird. Wie die Los Angeles Times am verdächtigen 01.04. aber doch wohl wahrheitsgetreu berichtete, ergab eine Analyse des Nutzungsverhaltens, dass der Griff zum Buch nicht mehr Kern der Benutzung ist. (Mike Reicher (01.04.2011): Tomes’ time might be up at Newport Beach library. latimes.com) Vielmehr wird die Bibliothek hauptsächlich als gratis Internet-Café benutzt:
“Most visit the branches to study, to plug their laptops into work spaces or to use computers with Internet connections.” Continue reading ‘Die bücherfreie Bibliothek als höchste Eisenbahn, in Newport Beach’
Eric Schmidt in seiner Position als Ex-CEO von Google sprach im Audimax der HU. Dank an Anja Eisemann fuer die kurzfristige Information. Der Golem hatte eine Ankuendigung und jetzt auch einen kurzen Bericht mit Hinweis auf den Start von Googles One Pass. Zur erwaehnten Institutsgruendung hat sich Eric Schmidt jedoch bedeckt gehalten.
Over the last years, Digital Libraries have taken over a central role in our society. The process of acquiring, creating, processing, retrieving, disseminating, and using knowledge, information, data and metadata has undergone and still continues to undergo significant changes. This includes an ever increasing public access to on-line resources, an evolution in the amount and diversity of resources that are available through this channel, a social shift in the paradigm of how to experience information towards interactive, globally collaborative and personalized approaches, and many more. The European Conference on Research and Advanced Technology for Digital Libraries (ECDL) has been the leading European scientific forum on digital libraries for 14 years. For the 15th year the conference was renamed into: International Conference on Theory and Practice of Digital Libraries (TPDL). In this spirit, TPDL 2011 aims at providing a forum for researchers, developers, content providers and practitioners for presenting and discussing novel results from innovative research and systems development on Digital Libraries.
Authors are invited to submit research papers describing original, unpublished research that is not (and will not be) simultaneously under consideration for publication elsewhere. TPDL 2011 solicits the submission of full (12 pages max.) and short (8 pages max.) research papers and demos. Topics of interest, and further information can be found on the website: http://www.tpdl2011.org
Important dates
Abstract submission deadline (full and short papers): March 21, 2011
Research paper submission: March 28, 2011 (midnight HAST, GMT -10hrs)
Demo submission: March 28, 2011
Notification of acceptance: May 23, 2011
Submission of final version: June 6, 2011
Am Lehrstuhl Digitale Bibliotheken (Prof. Seadle) sind zwei Stellen als studentische Hilfskräfte ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist für beide Stellen endet nächsten Mittwoch, den 10.11.2010.
Die Bewerbungsgespräche finden am Freitag, den 12.11.2010 ab 13:30 Uhr (mit offenem Ende) statt. Geeignete Bewerber erhalten nach Bewerbungseingang umgehend einen Vorstellungstermin.
Beide Stellenausschreibungen finden Sie auf den Seiten des studentischen Personalrates: http://www2.hu-berlin.de/studpr/cms/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=150&Itemid=370
Bitte richten Sie Ihre Bewerbungen an Prof. Michael Seadle und geben Sie diese im Sekretariat bei Frau Nowakowski ab. Gerne steht Ihnen Elke Greifeneder für Fragen zur Verfügung.
… in diesem CCCongress Video (mp4) zu diesem Vortrag.
2 Herren sprechen ueber Sinn und Erfolg von Wikileaks. Pflichtprogramm im Kontext der Veroeffentlichung + Aufbewahrung geschichtsrelevanter Dokumente, Vereinfachung des Zugangs zu Informationen und Geschaeftsmodelle in der (Informations-)Ueberflussgesellschaft.
Mehr Videos zu den CCCongress Vortraegen hier
Nachdem sich Bibliotheken (und auch kritische Normalbürger) mit einen unguten Gefühl mit dem entstehenden GoogleBooks-Monopol gerade arrangierten, tritt ein neuer Global Player im Bereich Online-Bücher auf den Plan: das Internet Archive plant mit seinem BookServer eine zentrale offene eBook-Plattform – die in ihrer Funktionalität über GoogleBooks weit hinausgeht:
BookServer is a framework of tools and activities. It is an open-architectured set of tools that allow for the discoverability, distribution, and delivery of electronic books by retailers, librarians, and aggregators, all in a way that makes for a very easy and satisfying experience for the reader, on whatever device they want.
Entnommen ist dieses Zitat aus dem Bericht von ftoolan bei Follow the Reader über die Präsentation von Brewster Kahle und seinem Team. Während GoogleBooks sich langsam an die Vermarktung seiner Digitalisate macht, ist man beim Internet Archive schon ein paar Schritte weiter: freie Werke und geschützte Werke – zum Kaufen oder Leihen – vereint. Und wo es möglich ist, wird Open Content realisiert – gerade auch für Benachteiligte. Mal abgesehen von den Konvertierungsmöglichkeiten auf diverse Smartphones, Kindle und iPhone sind diese Features einfach zukunftsweisend:
Next he announced that not only were these files available in ePub form, but that they were available in the “Daisy” format as well. Daisy is the format used to create Braille and Text to Speech software interpretations of the work.
Raj Kumar from Internet Archive demonstrated how the BookServer technology can deliver books to the OLPC (One Laptop per Child) XO laptop, wirelessly. There are 1 million of these machines in the hands of underprivileged children around the world, and today they just got access to 1.6 million new books.
The last demonstration was not a new one to me, but Raj came back on and he and Brewster demonstrated how using the Adobe ACS4 server technology, digital books can be borrowed, and protected from being over borrowed from libraries everywhere.
So das war jetzt ein kleiner Vorgeschmack, ich empfehle unbedingt die gesamte Berichtserstattung zu lesen! Wenn das wirklich alles Realität wird…werden sich wohl auch die Bibliotheken mit ihren Digital Libraries umgucken müssen!
Thema des Tages, wenn nicht der Woche und zwar weltumspannend wird mit Sicherheit, dass Google nun auch mit Beständen der BnF seine Bestände an digitalisierten Büchern ausbauen wird. Es ist klar, dass es bei dieser “radikalen Wende” (FAZ) um mehr als eine Projektkooperation geht. Im medial und auch manchen bibliothekarischen Kreisen gern ausgerufenen Kulturkampf Europas kulturelles Erbe vs. Google-Books ist das Entsetzen daher wohl recht groß. Eine üppige Diskussion entspinnt sich gerade La republique des livres-Blog. Und auch die Kommentarliste der Times, die Google bruises Gallic pride as national library does deal with search giant titelt, füllt sich so langsam. Für ambitionierte Diskursbeobachter steht nun vermutlich und endlich nach dem Abflauen der Urheberrechtsdebatte wieder eine aufregende Medienbeobachtungzeit mit glühenden Nachrichtenaggregatoren und sich überschlagenden Feuilletons an.
Der Lesesaal, Keimzelle der Bürgerlichkeit und der modernen Demokratie, ist größer geworden. Die elektronischen und digitalen Bücher haben seine Wände gesprengt und ihn zum Weltkreis erweitert, den er zuvor nur abgebildet hat.
stellt Klaus Kreimeier heute in der Frankfurter Rundschau in einem Kommentar zum Medienwandel und zur Alltagserfahrung des Digitalisats im WWW fest: Im Netz: Nur im Lesesaal!
In der Deutschen Digitalen Bibliothek sollen die Datenbanken von über 30.000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland vernetzt und durch spezielle Suchwerkzeuge erschlossen werden. Geplant ist, die Bestände von Bibliotheken, Archiven, Museen, Mediatheken sowie Kulturdenkmale in der DDB zugänglich zu machen. Technologisch fortgeschrittene Recherche- und Präsentationstechniken sollen eine übergreifende, multilinguale Suche in den Datenbeständen der Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen ermöglichen.
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages, der jüngst eine vielbeachtete Aufstellung zum “Für und Wider des Heidelberger Appells” zusammengestellt hat (Download als PDF), gab ebenfalls ein kurzes Übersichtspapier zur Deutschen Digitalen Bibliothek heraus: Aktueller Begriff: Deutsche Digitale Bibliothek (PDF).
Das angloamerikanische Copyright-Law und das kontinentale Urheberrecht unterscheiden sich massgeblich darin, dass das Copyright auf die Rechte der Verwerter abhebt, jedoch von den persönlichkeitsrechtlichen Belangen des Urhebers wenig weiss. Das Pathos der Rede vom «geistigen Eigentum», das die ideelle Beziehung zwischen Autor und Werk zu einer unveräusserlichen macht, ist dem US-Recht fremd. Dass es auch den Europäern fremder wird, daran arbeiten in Europa sowohl Internetpiraten wie auch «nutzerfreundliche» Richter, die erklären, von Diebstahl könne im Internet keine Rede sein, denn wer kopiere, nehme ja niemandem etwas weg.
Im Feuilleton der heutigen Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung erklärt Joachim Güntner im Anschluss an die Frankfurter Tagung von “Roland Reuss und seine[n] Kombattanten” [sic!] noch einmal, dass das Internet nun mal eine verschiedene Rechtsräume übergreifender Kommunikationssphäre ist. Zudem wertet er die Aussage der DFG, dass es keinen Publikationszwang gäbe, als Frucht der Proteste und hat damit in Bezug auf die Aussage selbst vielleicht sogar recht. Nur vom “Zurückrudern” der Deutschen Forschungsgemeinschaft kann man nicht wirklich sprechen, denn es lag gar kein Zwang vor. Auch nicht klar ist, ob er, wenn er etwas abwertend von “zu Copy-Shops mutierenden Bibliotheken” spricht, dies als Argument aus Frankfurt oder als allgemein wahrgenommene Entwicklung sieht.
Der wirklich interessante und bemerkenswerte Aspekt im Artikel ist aber die Vermutung, dass Google überhaupt nicht mit dem Ziel digitalisiert, in den Buchmarkt einzusteigen und es ihm mehr noch kaum um die konkreten Bücher und Buchinhalte selbst geht. Der Autor beruft sich vielmehr auf eine Aussage Auke Haagsmas von der ICOMP, mit dem er davon ausgeht, dass Google die Inhalte der Bücher als Korpus verwendet, um die Entwicklungen seiner “Semantic Web”-Funktionalitäten voranzutreiben:
Google füttere seine Server vor allem deshalb mit Weltliteratur, damit die Suchmaschine die Anfragen der Nutzer gleich übersetzen und ihnen dann Antworten aus vielen Sprachen der Welt liefern könne. Polyglott und zum komplexen Sinnverstehen fähig also soll die Maschine werden, Syntax und Semantik lernen für ihr Kerngeschäft, die Suchanfrage.
Wenn dies korrekt ist, dann würde die Bücher über Google Books ausschließlich als Bonus und Philantropie als Digitalisat angezeigt. Notwendig wäre es aber nicht und Google könnte sich entsprechend entspannt auch die Darstellung untersagen lassen, solange es nur weiter digitalisieren und all die Texte harvesten dürfte, die als Mittel zu einem höheren Zweck dienten. Was man wohl in Heidelberg zu der These sagen würde, dass die eigenen geistigen Leistungen schnöde zum Füttern einer digitalen Maschinerie dienen, der es gar nicht um die Inhalte geht, sondern darum, wie Zeichen und Zeichenketten miteinander in Beziehung stehen? Und was eine semantische Technologie wohl aus der Lyrik Paul Celans lernt? Im Resultat ständen jedenfalls noch ganz andere Celan-Provokationen.
Den Artikel der NZZ gibt es hier: Ist das Urheberrecht ein Papiertiger?
Die Wissenschaftsverlage bieten auch Hybridmodelle bei der Erwerbung der Zeitschriften an. Fairerweise muss man dazusagen, dass sich bei den Fachverlagen da auch ein Bewusstsein entwickelt hat. Sie diskutieren mit den Bibliotheken über Finanzierungsmodelle, die eine Reduzierung der Zeitschriftenpreise vorsehen, wenn die freigekauften Artikel einen bestimmten Schwellenwert erreicht haben. Der Markt reagiert schon auf diese Probleme, allerdings nur auf Druck des wissenschaftlichen Personals und der Bibliotheken.
In der ORF hat sich für seine “Futurezone” mit Brigitte Komp und Petra Oberhuemer von der Arbeitsgruppe Open Access der Universität Wien recht ausführlich über verschiedene Aspekte von Open Access allgemein und in Österreich unterhalten. Den Interview-Text gibt es hier: Open Access: “Bildung nicht nur für Eliten”
Über den Informationsdienst Wissenschaft erreicht uns heute die Meldung, dass der Ulmer Verlag – wie weithin erwartet – gegen das so genannte Darmstadt-Urteil, also die Entscheidung des Langgerichts Frankfurt zur Digitalisierung und Nutzung von Digitalisaten an elektronischen Leseplätzen, in Berufung geht: Urheberrechtsstreit zwischen der TU Darmstadt und dem Ulmer Verlag geht in die Berufung.
Wer die aktuelle Diskussion zum Thema Open Access, Verlage, Urheberrecht etwas gründlicher angehen und nachvollziehen möchte, bekommt nur zwei, drei Klicks entfernt eine Ahnung von der Trägheit der Debatte. In einer Diskussion in der inetbib aus dem Januar 2004 findet man z.B. eine Stellungnahme des damaligen Justiziars des Börsenvereins, die sich haargenau in der deutschen Presselandschaft des Jahres 2009 einstellen ließe, ohne das jemand den Unterschied bemerkte:
Zu Ihren open-access-Ideen: Bislang übernehmen Verlage für die Wissenschaft die Aufgaben der Informationsselektion, -aufbereitung und -navigation. Das Vorhalten des dafür erforderlichen Knowhows und Kapitals kostet Geld, das sie mittels Markterfolges verdienen müssen. Auch in der schönen neuen open-access-Welt werden diese Kosten entstehen, wenn die Qualität und Aufbereitung der Informationen gleich gut bleiben soll. Sie scheinen davon auszugehen, dass es für die Gesellschaft billiger und besser wird, wenn sich anstelle privater Unternehmer die öffentliche Hand dieser Aufgabe annimmt. Ob dies wirklich so ist, muss allerdings aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit bezweifelt werden.
Die ebenfalls heute noch gültige Entgegnung kann man hier nachlesen. Spannend ist es ja, aber auch erschreckend, wie wenig neue Argumente in die Diskussion in den letzten fünf Jahren gedrungen sind. Der zentrale Unterschied liegt immerhin darin, dass die Debatte 2004 in einem Fachforum ablief und sich heute in den Seiten der großen Tages- und Wochenzeitungen vollzieht.